Wolfpack mit eher durchwachsener WM-Premiere
(Foto: Jan Perlich / Rugbylicious Photography)

Wolfpack mit eher durchwachsener WM-Premiere

Die deutschen 7er-Rugbymänner haben bei den Rugby World Cup 7s Geschichte geschrieben! Aber diese WM-Premiere des Wolfpacks hat am Ende sicher nicht alle zufriedengestellt. Ein verletzungsgeplagtes deutsches Team, welches zuletzt nur noch acht einsatzbereite Spieler umfasste, landete im Konzert der besten Teams der Welt am Ende auf dem 18. Platz. Respektabel, aber man war mit höher gesteckten Zielen ins Turnier gestartet.
 
„Natürlich hatten wir vor dem Turnier andere Erwartungen“, gestand auch Nationaltrainer Clemens von Grumbkow ein. „Unser Ziel war eine Platzierung zwischen 10 und 16, was Teams wie Chile oder Uruguay geschafft haben. Das wäre für uns auch möglich gewesen, aber das erste Spiel gegen Chile war für uns gleich ein richtiger Dämpfer. Das hat viel Energie gekostet, sich aus diesem Loch wieder herauszuziehen. Aber, wie wir zurückgekommen und gekämpft haben hat gezeigt, dass wir nicht zum Urlaub hier waren, sondern zeigen wollten, was wir können. Leider haben wir, wie schon bei der Challenger Series, nicht unser volles Potenzial abrufen können. Nun gilt es zu analysieren, woran das gelegen hat und was wir künftig verändern müssen, dass uns das in Zukunft auf den großen Events besser gelingt. Wir können trotzdem stolz sein auf die Jungs. Wir hatten auch ein wenig Pech im Turnier, aber Einstellung und Kampfgeist haben gestimmt.“
 
Pre-Round of 16: Deutschland – Chile 12:15 nV (12:12, 12:0)
Der Traum von einem Platz unter den besten 16 Teams und zudem von einem möglichen Duell mit Gastgeber Südafrika vor 65.000 Fans im Cape Town Stadium war nach dem Auftaktspiel bereits jäh geplatzt. Rugby Deutschland tat sich gegen Chile schwer, ins Spiel zu kommen, verteidigte aber über lange Phasen stark und hielt den Gegner vom Malfeld entfernt. Offensiv allerdings wirkte das Wolfpack nervös und gab den Ball oft zu schnell wieder aus den Händen. Nach sechs Minuten aber war auf der rechten Außenbahn endlich mal Platz für Jack Hunt, der zum ersten Versuch und zum 5:0 durchstartete. Jetzt schien der Knoten geplatzt, denn jetzt hielt Deutschland den Druck hoch. Nach dem Ankick kam der Ball zu Tim Lichtenberg, der einen Gegner aussteigen ließ, im Fallen aber noch zu Fabian Heimpel abgab. Auch der wurde noch getackelt, brachte den Ball aber seinerseits noch zu Lichtenberg, der ihn die letzten Meter über die Linie trug. Diesmal passte der Erhöhungskick von Heimpel (7.) zum 12:0 zur Halbzeit.
 
Kurz vor der Pause sah Lichtenberg – zumindest diskussionswürdig – und kurz nach Wiederanpfiff auch Heimpel jeweils die Gelbe Karte. In doppelter Unterzahl hielt das Wolfpack lange gut dagegen, aber dann tat sich doch eine Lücke für Chiles ersten erhöhten Versuch auf (9.). Und nur eine Minute darauf gelang den Südamerikanern gegen sich erst noch wieder sortierende Deutsche der Ausgleich. Beide Teams leisteten sich in der Folge unnötige Fehler. Deutschland schaffte es nicht, die Partie noch mal unter Kontrolle zu bekommen. Ein langer Kick auf Philip Gleitze kam zwar an und brachte fast den Sieg, doch der junge Berliner wurde noch eingeholt. So ging es in die Extra-Minuten, wo die ersten Punkte die Entscheidung bringen würden.
 
Wieder wechselte der Ballbesitz unnötig oft, und in der 18. Spielminute hatte sich Chile in so gute Position gespielt, dass sie einen Straftritt zu den Stangen setzten, den Vicente Tredinick zum 15:12-Sieg verwandelte.
 
„Enttäuschend“, konstatierte Coach von Grumbkow knapp. „Wir sind nicht richtig reingekommen, hatten nie wirklich die Kontrolle über das Spiel. Das hatten wir uns natürlich anders vorgestellt.“
 
Bowl-Viertelfinale: Portugal – Deutschland 14:21 (14:7)
Damit hatte man die angestrebte Runde der besten 16 verpasst, und es ging in der Bowl-Runde weiter, wo man zunächst im Viertelfinale auf Portugal traf. Womöglich noch unter dem Eindruck der Enttäuschung vom Vortag und zweier Ausfälle – Jack Hunt und Sam Rainger konnten aufgrund von muskulären Verletzungen nicht mehr eingesetzt werden – verschlief das Wolfpack die Anfangsphase und lag nach vier Minuten schon mit 0:14 zurück. Bis dahin hatte man den Ball noch gar nicht wirklich in den Händen gehabt. Doch in Überzahl, nach Gelb für Portugal, gelang Max Calitz der erste, von Fabian Heimpel erhöhte Versuch zum 7:14-Pausenstand.
 
Nach dem Seitenwechsel sah man eine ganz andere deutsche Mannschaft – druckvoll, dominant und effektiv. In der 9. Minute wurde Philip Gleitze auf der rechten Seite freigespielt für den Versuch, den Heimpel ebenfalls erhöhte, und nur eine Minute später fing Niklas Koch vor dem gegnerischen Malfeld einen Pass ab, bediente Bastian van der Bosch, der unter den Stangen abtauchte. Heimpel erhöhte auch diesen Versuch zum 21:14-Endstand, denn danach passierte nicht mehr viel.
 
Bowl-Halbfinale: Deutschland – Tonga 17:12 (5:12)
Wie schon im gesamten Turnier tat sich Deutschland auch gegen Tonga schwer, seine spielerische Linie zu finden. Dazu boten die sehr physisch agierenden Gegner, die 7:0 in Führung gingen (3.), auch nur wenig Raum, holten sich aber auch viele Straftritte ab. Doch das Wolfpack konnte lange kein Kapital daraus schlagen, ließ sich zudem auf das harte Spiel der „Ikale Tahi“ ein. Das Wolfpack musste für jeden Raumgewinn hart arbeiten, und erst kurz vor der Pause war es Bastian van der Bosch, der den ersten Versuch legte. Aber nach einer Verletzungspause legte Tonga mit einem 75-Meter-Konter direkt noch mal nach zum 12:5-Halbzeitstand.
 
Es blieb ein hart geführtes Spiel, in dem beide Teams nur wenig Gelegenheiten zum Punkten bekamen. Deutschland hatte noch Glück, dass Tonga im Malfeld einen Ball nicht kontrollieren konnte und damit die Vorentscheidung verpasste. Stattdessen tankte sich Anjo Buckman für den Versuch zum 10:12 durch, und es durfte noch mal angekickt werden. Das Wolfpack holte sich den Ball, und am Ende war es van der Bosch, der nach einer Passfinte für den entscheidenden, auch noch erhöhten Versuch zum 17:12-Sieg sorgte.
 
Bowl-Finale: Deutschland – Uganda 12:19 (7:7)
Das harte Tonga-Spiel hatte einiges gekostet. Gleich drei Spieler mussten danach das Head Injury Assessment durchlaufen. Max Calitz und Tim Lichtenberg wurden daraufhin aus medizinischen Gründen aus dem Turnier genommen. So hatten die Coaches gegen Uganda nur noch „achteinhalb“ teils auch angeschlagene Spieler zur Verfügung.
 
Dennoch packte das Wolfpack gegen die physisch starken Mannen aus Uganda noch mal alles an Kampfgeist aus, verteidigte clever und ging nach fünf Minuten in Führung. Ein langer Kick vom eigenen Malfeld landete passgenau in den Armen von Philip Gleitze, der dann freie Bahn zum Versuch hatte, den Fabian Heimpel auch zum 7:0 erhöhte. Doch Ugandas Topstar Philip Wokorach glich mit einem unwiderstehlichen Lauf noch vor der Pause aus.
 
Uganda legte kurz nach Wiederanpfiff den zweiten Versuch zur 14:7-Führung nach (9.). Doch trotz schwindender Kräfte hatte Rugby Deutschland noch mal eine Antwort. Nach einer überworfenen ugandischen Gasse verlagerte man den Ball schnell auf die rechte Seite, wo Ben Ellermann durchstartete und ganz außen ablegen konnte. Die schwierige Erhöhung zum möglichen Ausgleich misslang. Doch in der Schlussminute machte Uganda den Deckel drauf, legte noch einmal ab zum 19:12-Endstand und nahm die kleine Bowl-Trophäe mit nach Hause.
 
„Nach Niederlagen ist man natürlich etwas enttäuscht, da können wir Sportlerinnen und Sportler nicht aus unserer Haut. Und natürlich haben wir uns erhofft, mit einem Sieg über Chile mindestens in die Top-16 zu rutschen. Das hat diesmal nicht sollen sein“, so Manuel Wilhelm, Vorstand Leistungssport bei Rugby Deutschland. „Wir werden jetzt die Akkus aufladen und danach gründlich analysieren, welche Stellschrauben wir bedienen müssen, um die tolle Entwicklung des letzten Jahrzehnts nachhaltig fortzuschreiben. Mit etwas Abstand wird dann auch der Stolz auf das Erreichte, was in vielerlei Hinsicht historisch war, seinen verdienten Platz einnehmen.“