Girl Gang im Halbfinale / Wolfpack verpasst Top-4
25th July 2026
Rugby Deutschland
Fotografiert von Rugby Europe

Die deutschen 7er-Rugbyfrauen steuern auf ihre beste EM-Turnierplatzierung überhaupt zu. Mit einem 22:17-Viertelfinalsieg gegen Frankreich schaffte die Girl Gang im kroatischen Split beim zweiten Turnier der Rugby Europe Sevens Championships den Sprung ins Halbfinale. Das Wolfpack hingegen erlebte einen gebrauchten zweiten Turniertag und verpasste durch eine knappe 19:21-Niederlage im Viertelfinale gegen Italien den Sprung unter die besten vier Teams, was nach dem Turniersieg in Hamburg bedeutet, dass der erhoffte EM-Titel rechnerisch zwar noch möglich ist, dafür aber viel für das Wolfpack laufen müsste.
Die deutschen Frauen zeigten am zweiten Turniertag zwar wechselhafte Leistungen, aber waren schlussendlich zum richtigen Zeitpunkt da und stehen nun in Split unter den besten Vier. Dabei begann der Tag mit einer Lehrstunde gegen die Polinnen, die in Hamburg im Finale gestanden hatten. Die Girl Gang fand von Beginn an kein Mittel gegen die erfahrenen und physisch stärkeren Osteuropäerinnen, die schon nach sieben Minuten dank dreier Versuche mit 17:0 vorn lagen. Und auch danach fand das deutsche Team nicht wirklich einen Weg, die Polinnen und das Spiel irgendwie besser in den Griff zu bekommen. Die hingegen fanden immer wieder Lücken und hatten auf alles, was die Deutschen versuchten, eine Antwort parat. So legten die Favoritinnen im zweiten Durchgang noch drei Versuche und gewannen schlussendlich deutlich mit 34:0. Der Viertelfinaleinzug für die Girl Gang hatte allerdings schon vorher festgestanden.
In der Runde der besten Acht wartete Hamburg-Sieger Frankreich. Die setzten das deutsche Team früh an dessen Malfeld fest, aber dann kam der Ball über Riccarda Hennig zu Gesine Adler, die durchbrach und einen langen Sprint erst im französischen Malfeld beendete (4.). Die Girl Gang musste hart um Raumgewinn kämpfen, blieb dabei aber geduldig und wurde belohnt, als Johanna Hacker für den zweiten Versuch zum verdienten 10:0-Pausenstand freigespielt wurde. Nach der Pause allerdings entglitt dem Team das Geschehen. Man hatte kaum noch den Ball in den Händen, leistete sich einige Fehler und die Defensive packte nicht mehr so zielsicher zu. So gelangen den Französinnen drei Versuche in Serie, mit denen Sie das Ergebnis in ein 17:10 drehten. Doch das Momentum sollte sich doch noch einmal drehen. Erst wurde Mette Zimmat links schön für den Versuch freigespielt, den Charlotte Malaizier stark zum Ausgleich erhöhte, und mit der letzten Aktion sicherte Gesine Adler mit ihrem zweiten Versuch den 22:17-Sieg und den umjubelten Sprung ins Cup-Halbfinale, wo es am Sonntag gegen Irland gehen wird.
„Das haben sie sich so verdient“, sagte ein merklich zufriedener Bundestrainer Curtis Bradford. „Wie hart sie arbeiten, welche Opfer sie bringen, um immer besser zu werden … Ich bin wirklich stolz auf dieses Team. Ich habe mir keine so großen Gedanken über das Spiel gegen Polen gemacht. Ich wollte, dass alle Spielerinnen bereit für das Viertelfinale sind. Und das ist auch aufgegangen.“
Die Männer des Wolfpack mussten am zweiten Turniertag zunächst die erste Niederlage in dieser EM-Kampagne einstecken. Gegen starke Spanier unterlag man im abschließenden dritten Gruppenspiel knapp mit 12:17, doch das genügte, um trotzdem ins Viertelfinale einzuziehen.
Das RD-Team machte gleich viel Druck auf die Spanier, aber denen gelang doch früh der Durchbruch für den ersten Versuch. Aus einer Gasse heraus kam der Ball dann zu Cedric Eichholz, der seinen Versuch auch gleich selbst zur 7:5-Führung erhöhte (4.). Insgesamt sahen die Zuschauer*innen in Split eine sehr ausgeglichene und intensive Partie, in der sich die Iberer nach einem verpassten Tackling die Führung zurückholten. Niklas Koch hatte den durchgebrochenen Spanier zwar noch gestellt, aber dessen Unterstützung vollendete zum Versuch. Aber quasi mit der Pausensirene sorgte Lennox Wiese nach einer sehenswerten Verlagerung von Koch für dem 12:12-Ausgleich. Auch nach dem Seitenwechsel musste das Wolfpack hart arbeiten gegen stark verteidigende Spanier, die ebenfalls jederzeit gefährlich waren. Dann hatte Wiese etwas Pech, als er einen Meter vor der Mallinie noch gestoppt wurde (11.). Stattdessen gelang Spanien im Gegenzug der Versuch zum 17:12, das die Iberer auch bis zum Schluss verteidigten.
Im Viertelfinale warteten die Italiener, die in Hamburg Dritter und in Split nach der Vorrunde das zweitbeste Team waren. Und es wurde die erwartet schwere Aufgabe. Die Italiener begannen extrem druckvoll und gingen auch 7:0 in Führung. Umeh und mit der Erhöhung Hufnagel glichen zwar noch aus (4.), aber das Wolfpack kam nicht richtig rein in die Partie gegen eine aggressive italienische Verteidigung. Und so erspielten sich die Azzurri bis zur Pause mit zwei weiteren Versuchen eine 21:7-Führung. Die Deutschen starteten aber aggressiver in den zweiten Durchgang und waren jetzt auch offensiv effektiv. Erst Bennet Veil, und dann Niklas Koch mit einem erhöhten Versuch brachten das Wolfpack auf 19:21 heran und hatte das Momentum in der Schlussphase eigentlich auf seiner Seite. Aber ein Pass von Wiese wurde abgefangen (14.). Italien kickte zur Gasse, ließ die Zeit ablaufen, aber die Deutschen eroberten den Ball, hatten so noch die Chance zum Sieg. Ein langer Kick für den schnellen Amekuedi sollte die Entscheidung bringen. Doch der lieg gegen drei Gegner und ließ den Ball beim Aufnehmen unter Druck nach vorn abprallen. Damit war die Partie beendet und Italien im Halbfinale, während es für das Wolfpack noch maximal Fünfter werden kann. Nächster Gegner im Halbfinale der Platzierungsrunde ist Portugal.
Bundestrainer Pablo Feijóo: „Wir haben heute einfach zu viele Fehler gemacht und zu viele Bälle weggegeben. Dann wird es natürlich schwer, Spiele zu gewinnen. Nun müssen wir versuchen, morgen das Energie-Level noch mal zu steigern.“
