„Für mich ist Chile zum Auftakt ein Traumlos“
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„Für mich ist Chile zum Auftakt ein Traumlos“

Wenn die deutschen 7er-Rugbymänner am morgigen 9. September um 11.29 Uhr im Cape Town Stadium in Südafrikas Hauptstadt zum ersten Spiel bei ihrer ersten Weltmeisterschaft auflaufen, trifft man zunächst auf einen alten Rivalen, nämlich auf Chile. Für den Kapitän des Wolfpack wird dieses ohnehin schon besondere Spiel bei einer WM noch ein bisschen besonderer, denn es geht gegen das Heimatland seines Vaters, der selbst lange das Trikot der Los Cóndores trug.
 
Carlos, der WM-Start steht kurz bevor. Es hieß ja nach der erfolgreichen Qualifikation, dass man es noch gar nicht richtig realisieren konnte. Ist das mittlerweile gelungen?
Ja, schon. Damals überwog bei allen eher die Erleichterung. Da war ja auch viel Druck da. Wir wussten, dass etwas möglich ist, aber viele andere europäische Teams wollten es ja auch. Aber jetzt ist die Vorfreude groß, der Fokus voll da. Es kann losgehen!
 
Direkt im ersten Spiel geht es gegen Chile. Für dich sicher ein spezielles Spiel mit deiner engen Verbindung zu diesem Land, oder?
Wir haben natürlich jetzt schon oft gegen Chile gespielt. Beide Teams wollen seit Jahren auf die Weltserie, da besteht ja fast schon eine richtige Rivalität. Aber ich würde lügen, wenn ich sage, das wäre nichts Besonderes mehr für mich. Mein Vater, mein Onkel sind Chilenen, waren auch Rugby-Nationalspieler dort. Ich habe mit 17 dort angefangen, Rugby zu spielen. Womöglich treffe ich auch auf Spieler, mit denen ich damals schon gespielt habe. Für mich persönlich ist es ein Traumlos, und die Familie schaut natürlich besonders auf dieses Spiel.
 
Aber im Spiel kann man darauf natürlich keine Rücksicht nehmen. Von überall hört man: Das Spiel muss man gewinnen, denn dann wartet das eigentliche Highlight – das Duell mit den südafrikanischen Blitzbokke vor 60.000 Zuschauern. Kann man das überhaupt ausblenden?
Der Fokus, auch in der Vorbereitung, lag erst mal nur auf dem Spiel gegen Chile. Das zu gewinnen, ist das erste Ziel. Auch, weil wir zuletzt bei der Weltserien-Qualifikation gegen sie verloren haben. Ohnehin hatten wir alle nach diesem Turnier das Gefühl, dass wir nicht gezeigt haben, was wir können, dass wir es eigentlich besser können. Das wollen wir jetzt bei der WM natürlich wieder beweisen. Dass dann im besten Fall Südafrika als zweiter Gegner wartet, ist natürlich toll, keine Frage. Aber in erster Linie konzentrieren wir uns auf den Job, den wir zu machen haben.
 
Aber die Vorfreude auf diese Atmosphäre wird ja bei allen da sein, oder?
Natürlich. Der Kapitän von Irland hat mir schon gesagt, wie besonders Turniere in Südafrika sind. Wir haben zwar schon in großen Arenen mit viel Stimmung gespielt, aber das wird sicher noch mal eine andere Hausnummer. Für uns ist das natürlich auch eine Art Belohnung für viele Jahre harter Arbeit, um an diesen Punkt zu kommen. Aber wir sind auch ehrgeizige Sportler. Wir wollen uns so teuer wie möglich verkaufen, das deutsche Rugby bestmöglich vertreten und so weit wie möglich kommen. Aber natürlich werden wir diese Atmosphäre auch aufsaugen und genießen, das ist doch klar.
 
Die erneut verpasste Qualifikation für die World Rugby Sevens Series hat an euch genagt, das sagtest du ja schon. Konntet ihr das mittlerweile abschütteln? Wie gut fühlt ihr euch vorbereitet?
Ja, das hat uns alle schon eine Weile beschäftigt, dass wir diese Chance wieder nicht nutzen konnten. Da gab es für jeden etwas aufzuarbeiten Aber der einzige Weg ist, weiter Gas zu geben, zu trainieren und besser zu werden. Eine WM ist dann natürlich top, um den Fokus neu zu fassen. Die Vorbereitung und auch die bisherige Saison – ausgenommen der Weltserien-Qualifier – liefen gut. Wir wollen zeigen, was wir können, wir können auch für die Topnationen ein ganz unangenehmer Gegner sein, das haben wir in der Vergangenheit schon bewiesen. Bei den letzten Weltserienturnieren hat man gesehen, dass das Niveau an der Spitze sehr hoch, aber auch sehr ausgeglichen ist. 
 
Und nun, „Butter bei die Fische“: Was habt ihr euch für die WM vorgenommen?
Mit einem Sieg im schwierigen Spiel Chile gegen zum Auftakt wären wir schon mal unter den besten 16. Dann werden die Gegner natürlich noch stärker, aber gegen die wollen wir ja auch spielen. Es wäre vermessen zu sagen: Wenn wir das Podium nicht erreichen, sind wir enttäuscht. Aber wir wollen so weit nach vorn, wie es nur geht. Wir haben im Team noch nicht explizit über eine Platzierung geredet, aber eine Top-12-Platzierung wäre schon toll. Damit würden wir zeigen, dass wir in diesen Kreis gehören. Und es würde die Eindrücke, die wir auf der Weltserie schon hinterlassen haben, bestätigen. Wichtiger ist aber, dass wir uns nach dem Turnier in die Augen schauen und sagen können, dass wir alles gezeigt, alles gegeben haben. Dann ist eigentlich alles gut.